David Lynch - Talkingvon Helen Donlon
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 David Lynch bei den Dreharbeiten zu Mulholland Drive, 2001 © Schwarzkopf & Schwarzkopf |
Wenn ein Film es schafft, die Zuschauer in einen gefühls- und eindrucksgeladenen Zustand zu versetzen, die Betrachter in eine andere Welt hineintauchen, und sie eine unendlich komplexe und mysteriöse Erfahrung durchleben zu lassen... wenn eine erzählte Geschichte unzählige Gedanken in Gang setzt, und Zuschauern viele Fragen stellt, die kaum jemand beantworten kann, und die der Macher nicht beantworten will, aber viel Platz für eigene Interpretationen schafft, dann ist das ein Werk von David Lynch.
Mit seinen eigenwilligen Produktionen und seiner kompromisslosen Art ist es Kultregisseur David Lynch gelungen, einen bewunderungswerten Platz in der Filmgeschichte einzunehmen. Er ist ein Künstler, der seinen Prinzipien - jenseits der kommerziellen Welt Hollywoods und weit enfernt von der Block-Buster-Maschinerie - treu bleibt, und seine facettenreichen Visionen und Ideen auf kreative, originelle und einzigartige Art in lebhafte, stilvolle und faszinierende Bilder umwandelt, und ein Gemälde herzaubert, das eine unverkennbare Unterschrift trägt.
"Ich weiß nicht, warum Menschen erwarten, daß Kunst Sinn ergibt. Sie akzeptieren doch auch die Tatsache, daß gewisse Dinge im Leben keinen Sinn haben." David Lynch
Lynch liebt das Geheimnisvolle. Er findet in dem Verborgenen, Raum für Fantasie und Kreativität. Seine Filme können bewegen, schockieren, verwirren, provozieren und in Staunen versetzen. Sie können ein undurchdringliches Mysterium hinterlassen, und eine Welt voller Rätsel und ungelöster Geheimnisse schaffen. Lynch will nicht über den Sinn seiner Filme sprechen, er will nichts erklären. Er will, daß die Zuschauer ihre eigenen Vorstellungen und Erklärungen zusammenstellen. Er will, daß der Zuschauer seinen Träumen und seiner Fantasie freien Lauf läßt, sich aber nicht ausschließlich auf die Jagd nach dem Sinn oder nach einer Auflösung befindet.
"Wenn Geheimnisse gelüftet werden, fühle ich mich schrecklich im Stich gelassen." David Lynch
Mit "David Lynch - Talking" von Helen Donlon kommt der Leser - und der Fan der lynch'schen Kunstwelt - dem eigenartigen Universum von David Lynch etwas näher. Das Buch enthält Zitate aus vielen Interviews mit dem Kultregisseur. Lynch spricht über seine Hass-Liebe zu Philadelphia, der Stadt, in der seine Filmkarriere begann. Er beschreibt auf interessante, amüsante und manchmal auch etwas merkwürdige Art seine Vorliebe für die Beschaffenheit der Dinge, seine in seinen Filmen wieder und gern benutzte Motive; rote Vorhänge, Feuer, Dampf, Fabrikgelände, Elektrizität und Dunkelheit.
Man erfährt vieles über seine Ideen, Visionen, die Entstehung der Bilder in seinem Kopf bis hin zum fertigen Streifen auf der Leinwand. Dabei spricht Lynch über sich selbst, seine Vorbereitungen sowie über seine Beziehungen und Zusammenarbeit mit den Schauspielern und den Mitwirkenden. Er erklärt in einem ansteckend begeisterten Ton die Wirkung und den Einfluß der Musik, sowie die Rolle der Soundeffekte in einer Szene, und was dies für das endgültige Ergebnis bedeutet.
 Lynch und Naomi Watts am Set von Mulholland Drive, 2001 © Schwarzkopf & Schwarzkopf |
In Lynchs Worten findet man eine besondere Sicht der Dinge. Er ist zweifelslos eine interessante und bewundernswerte Person mit Humor und Sinn für das Außergewöhnliche. Er hat großes Interesse an geheimnisvollen Geschichten, in denen die Grenzen zwischen Traum und Realität verschmelzen, in denen die Figuren ungewöhnliche, kuriose oder fremdartige Persönlichkeiten besitzen. Filme wie "
Twin Peaks", "
Blue Velvet", "
Lost Highway" und "
Mulholland Drive" haben längst einen Kultstatus erreicht. Das sind Filme, die den Zuschauer durch ihre eigenwillige Atmosphäre, ihre undurchsichtige und rätselhafte Handlung, sowie durch ihre stimmungsvolle Machart zum Denken, Rätseln, Diskutieren und zum Träumen einladen.
"Menschen, die fröhlich und zufrieden sind, sind langweilig. Ich interessiere mich eher für Leute, die Probleme haben, und ich bringe sie gern immer weiter in Schwierigkeiten, um zu sehen, wie sie da wieder rauskommen." David Lynch
Aber auch in seinem Meisterwerk, das auf einer wahren Geschichte basiert, schafft David Lynch ein bewegendes und stilsicheres Drama, das zu seinen größten Erfolgen zählt. Der von Mel Brooks produzierte, mehrfach prämierte "Der Elefantenmensch" erzählt die Geschichte eines durch Krankheit mißgebildeten Menschen, der wegen seinem Aussehen als Zirkusattraktion zur Schau gestellt wurde, und wie ein junger Arzt hinter dem verunstalteten Gesicht eine menschliche Seite entdeckt.
In "David Lynch - Talking" spricht Lynch über seine Erfahrungen vor und während der Dreharbeiten zu den Filmen. Es kommen aber auch Freunde und Kollegen zu Wort, u.a. Jack Nance, Isabella Rossellini, Laura Dern, Nicolas Cage und Patricia Arquette, und sprechen über David Lynch, über die Zusammenarbeit mit ihm sowie über ihre Rollen und Mitwirkungen in den verschiedenen Filmen.
Das Buch bietet außer den äußerst interessanten, gelungen - in Kapiteln strukturiert - zusammengesetzten Zitaten eine komplette Filmographie mit den wichtigsten Informationen und verschiedene Fotos von David Lynch privat und beim Drehen.
Fans des Mystery-Meisters werden beim Lesen nicht nur viel Spaß haben, sondern auch viel über David Lynchs Persönlichkeit, seine Vorlieben, und die Einflüsse, die seine Machart prägten, sowie über seine Herangehensweise beim Filmemachen, die Hintergedanken und die Motive erfahren, und vielleicht die Antwort auf die eine oder andere Frage zu seinen Filmen finden.
-the-fan.net-
Die Daten
DAVID LYNCH TALKING
Von Helen Donlon
Übersetzung Madeleine Lampe
ca. 160 Seiten, etwa 50 Abbildungen
Quality Paperback, 16,5 x 23,5 cm,
fadengeheftete Broschur, Kunstdruckpapier, Farbteil
Erscheint im Mai 2008
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Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
David Lynch: Filmografie